Konzert2_RusselDavies_Kritik
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© Andreas H. Bitesnich
© Andreas H. Bitesnich

Mit Esprit, Witz und Temperament

 

Zweites Abonnementkonzert der Kulturfreunde Bayreuth: Ein brillant-launiger Klavierabend mit dem Klavierduo Maki Namekawa und Dennis Russell Davies

Man sieht ihn eigentlich immer bei Klavierduos: den Platzwechsel. Das Ziel dieser Maßnahme ist klar, der Platz an der Sonne ist nun mal weitaus begehrter als der im Schatten. Wer am Flügel rechts sitzt, hat in der Regel die Führung inne, der Bass bereitet das Fundament. Das Klavierduo Maki Namekawa und Dennis Russell Davies bilden da augenscheinlich eine Ausnahme, das legte zumindest ihr Auftritt am Samstagabend im Markgräflichen Opernhaus nahe. Da hatten die Verhältnisse nämlich den ganzen Abend über Bestand: Maki Namekawa rechts, Dennis Russell Davies links.
Die Aufgabenverteilung im Duo war damit klar. Sinn machte sie auch; das zeigte sich bereits in der Ouvertüre zu Beethovens Fidelio, den die beiden in einer Bearbeitung Alexander Zemlinskys darboten. Das Temperament, das Namekawa da an den Tag legte, hätte der Basspartie vermutlich nicht so gut bekommen. Doch so sorgte es, nach einigen kleinen anfänglichen Abstimmungsproblemen, für Schwung und brachte den Diskant des Steingraeber-Konzertflügels mitunter kräftig zum Leuchten.
Ein gut gewählter und überzeugend dargebotener Einstieg in den Konzertabend, dem die beiden mit Beethovens Märschen op. 45 für Klavier zu vier Händen drei Werke folgend ließen, die man eher selten im Konzertsaal zu hören bekommt. Und das hat durchaus seinen Grund. Denn die drei Märsche muten, gleichwohl sie flott vorzutragen sind, schlicht an und vermitteln irgendwie den Eindruck, als solle hier das ABC des vierhändigen Klavierspiels vermittelt werden. Was natürlich nicht der Fall ist, denn Beethoven hat in allen drei Märschen diverse klaviertechnische „Gemeinheiten“ eingebaut, an denen es sich gepflegt scheitern lässt. Daneben finden sich allerdings auch diverse Elemente, die so wirken, als nehme sich Beethoven in grimmigem Humor selbst auf den Arm. Wie etwa in schier endlos andauernden Tonrepetitionen oder Motiv-Wiederholungen. Natürlich wird auch fleißig zitiert, wie etwa im dritten Marsch in D-Dur, in dem man des Öfteren Mozarts Figaro zu begegnen glaubt. Maki Namekawa und Dennis Russell Davies leuchteten den doch etwas herben Charakter dieser Stücke in präzis-markantem Ton hell aus und zerschlugen dabei, wie von Beethoven angewiesen, derb so manch musikalisches Porzellan, um dieses dann auch wieder gekonnt mit leisem Lächeln zusammenzufügen.
Nichtsdestotrotz, im Vergleich zu der dann im Programm folgenden Bearbeitung von Igor Strawinskys Ballettsuite „Der Feuervogel“ für Klavier zu vier Händen, nahmen sich die drei Märsche wie Fingerübungen aus. Strawinskys Ballettmusik gilt in Orchesterkreisen als Herausforderung und die von Strawinsky selbst vorgelegte Klavierfassung ob ihrer eigentlich dafür drei erforderlichen Hände als quasi unspielbar.
Letzteres kann man über die Bearbeitung Dennis Russell Davies nun wirklich nicht sagen, auch wenn sie den beiden Interpreten technisch wie rhythmisch einiges abverlangt. Wobei Dennis Russell Davies das Kunststück fertig brachte, die Strukturen des Originals teilweise stark zu vereinfachen und dennoch bei Strawinsky zu bleiben. Und so findet sich in dieser Bearbeitung – als Vorlage diente die 1945 von Strawinsky selbst geschaffenen Ballettsuite – auch all das, was das Original auszeichnet: Komplexe Rhythmen, irisierende Klänge und ein wilder Mix an Stimmungen, die irgendwo zwischen mystisch und elektrisierend angesiedelt sind. Kurz: Dieser vierhändige „Feuervogel“ beeindruckte doch sehr, auch ob des Feuers und der Leidenschaft, mit der vor allem Maki Namekawa die Geschichte um Iwan Zarewitsch und den bösen Zauberer Kastschej und seine Dämonen zu bebildern wusste.
Es bleibt daher zu resümieren: Man hat sie nicht so recht vermisst, die ursprünglich im Programm der Kulturfreunde Bayreuth angekündigte Filharmonie Brno. Denn Maki Namekawa und Dennis Russell Davies waren weit mehr als nur Ersatz. Es bedarf eben nicht immer eines prunkvollen Höhenfeuerwerks, auch ein Tischfeuerwerk kann nachhaltig Brillanz und Eindruck entwickeln. Zumal, wenn man wie Maki Namekawa und Dennis Russell Davis quasi im Bouquet nochmals draufzulegen versteht: Ihre Zugabe, der Slawische Tanz op. 46, Nr. 8 Antonin Dvořáks sprühte geradezu vor Lebensfreude – da stiebte das Feuer, flogen die Funken. Ein wahrhaft gelungener Abschluss eines famosen Konzerts. Kein Wunder, dass die beiden im Markgräflichen Opernhaus ausdauernd gefeiert wurden.

 

Gordian Beck

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Till Fellner / Viviane Hagner