Konzert1_Schayegh_Kritik
Seit 70 Jahren sind wir ein engagierter Mitgestalter von Konzerten in Bayreuth, um Musik als Erlebnis für jede Generation neu und offen erfahrbar werden zu lassen. Sinfoniekonzerte, Kammermusik, Duo- und Solo-Abende sowie Kinderkonzerte organisieren wir mit international bekannten Künstlerinnen und Künstlern auf höchstem Niveau.
Klassik, Musik, klassische Musik, Konzerte, Events, Bayreuth, Kultur, Kunst, Klavier, Streicher, Violine
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© Mona Lisa Fiedler
© Mona Lisa Fiedler

Mit Herz und Verstand

 

Beeindruckendes Konzert mit Leila Schayegh und „La Centifolia“ im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth

Es geht also doch. – Nach der mit Bravour absolvierten Testreihe „Bayreuth Baroque“ starteten am Samstagabend auch die Kulturfreunde Bayreuth erfolgreich in ihre Konzertsaison 2020/2021. Auch wenn sich das Publikum im markgräflichen Opernhaus großflächig, auf Abstand bedacht, zu verteilen hatte und das Fanal der Corona-Pandemie, der Mund- und Nasenschutz, allgegenwärtig war. Selbst auf der Bühne. Dort baumelte das zurzeit lebensnotwendige Utensil nahezu an jedem Notenständer. Was sich bei ein wenig Fantasie wie Flaggen auf Halbmast ausnahm.
Dem eigentlichen Konzert konnten die eher traurigen äußeren Umstände jedoch nichts anhaben. Johann Sebastian Bachs großartige Brandenburgische Konzerte sind krisenfest, stehen über dem Alltag. Es dauerte daher nicht lange und man tauchte im Halbdunkel des Opernhauses in den Bachschen Musikkosmos ein. Wobei sich Leila Schayegh und ihr Ensemble „La Centifolia“ – und das war zu Beginn des Konzerts etwas irritierend – in ihrer Interpretation leicht abseits des ausgetretenen Pfades bewegten. Was absolut kein Makel darstellt, ganz im Gegenteil! Man musste jedoch zuerst verstehen, wie dieses sich bemerkenswert homogen präsentierende Ensemble Bach begegnet und wie es ihn begreift. Als Beleg dafür könnte man die Cembalo-Kadenz im ersten Satz des fünften Konzerts anführen: Wäre dieses Solointermezzo nicht derart bekannt, man hätte es ohne weiteres mit dem Etikett „Improvisation“ versehen können. Cembalist Giorgio Paronuzzi reizte die Möglichkeiten des Notentextes weidlich aus, arbeitete mit Pausen und teils extremen Rubati und bot so – die in der Verzögerung geraubte Zeit muss ja wieder eingebracht werden – eine ebenso spannende wie hoch virtuose Vorstellung.
Diese Momente abseits des Mainstreams gab es im Verlaufe des Abends im Übrigen zuhauf. Natürlich auch in Bachs Doppelkonzert für Violine (Leila Schayegh), Oboe (Xenia Löffler) und Orchester in c-Moll. Auffällig war dabei das ebenso präzise wie unprätentiöse Zusammenspiel der beiden Solistinnen. Auch wenn man sich jeweilig durchaus gestalterische Freiheiten nahm. Doch die waren wiederum eingebunden in eine klare Linie, die da hieß, Präzision und Pointen nicht auf Kosten des Miteinander. Im Ergebnis stand ein einerseits erstaunlich lebendiger und zugleich filigraner Bach. Eine wirklich beeindruckende Darbietung.
Das vierte und den Abend abschließende Brandenburgische Konzert in G-Dur setzte diese Linie fort. Was sich radikal änderte, war die Stimmung. Was natürlich auch mit dem Charakter dieses Konzerts für zwei Alt-Blockflöten und Violine zu tun hat. Ein lebensfrohes Werk, fordernd und zugleich lohnend für die Solisten, das sich überdies glanzvoll in Szene setzen lässt. Leila Schayegh und die beiden Flötistinnen Anne Freitag sowie Xenia Löffler ließen sich daher nicht bitten und präsentierten einen ebenso pointierten wie strahlenden Bach, kurz, einen wirkungsvollen Kehraus. Der prompt mit langanhaltendem dankbaren Applaus, durchsetzt von Bravorufen, bedacht wurde. Zu Recht. Denn eine eigene Linie bei Bach zu denken, ist das eine, sie aber auch auf den Punkt gebracht, im Konzertsaal präsentieren zu können, das weitaus schwierigere. Chapeau!

 

Gordian Beck