BidlaBuh_Kritik
Seit 70 Jahren sind wir ein engagierter Mitgestalter von Konzerten in Bayreuth, um Musik als Erlebnis für jede Generation neu und offen erfahrbar werden zu lassen. Sinfoniekonzerte, Kammermusik, Duo- und Solo-Abende sowie Kinderkonzerte organisieren wir mit international bekannten Künstlerinnen und Künstlern auf höchstem Niveau.
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© Harbach
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Ein Spaß für Groß und Klein

 

Kulturfreunde Bayreuth: Bidla Buh mit herrlich skurrilem Gastspiel in der Wilhelminenaue

Als sie im Herbst des vergangenen Jahres zum ersten Mal in Bayreuth aufschlugen, war die Bühne etwas kleiner. Und zugestellt bis unters Dach mit Utensilien und Instrumenten aller Art. Man sollte meinen, mehr geht nicht. – Denkste! – Mehr geht immer! Zumal die drei Herren von Bidla Buh, so wie meisten der Konzertschaffenden in dieser Zeit, gerade sieben Monate Pause hinter sich haben. Eine Zeit, die die drei Hanseaten natürlich genutzt haben.
Nein, mit einem gänzlich neuen Programm waren sie jetzt am vergangenen Dienstagabend in der Bayreuther Wilhelminenaue nicht am Start. Aber überarbeitet haben sie es. Und noch mehr Krimskrams auf die Bühne gepackt. Backutensilien, beispielsweise. Weil sich damit auch ganz herrlich Krach, respektive, Musik machen lässt. Etwa, wenn man das Nudelholz modifiziert und daraus eine Art Weidenpfeiflein XXL fertigt. Vom Klang her mehr Schein als Sein, von der Idee jedoch, umwerfend. Und das ist es, worauf es hier ankommt. Wer sich wie Torge Bollert, Olaf Klindtwort, Jan-Frederick Behrend musikalische Kurzweil auf die Fahne geschrieben hat, muss Idee vor Perfektion stellen. Denn in der Unterhaltung zählt das Momentum.
Entsprechend sind auch ihre musikalischen Darbietungen gehalten: Durchwegs leicht verständlich, dabei stets charmant und gerne etwas skurril. Bemerkenswert dabei ist, dass das Treiben der drei schmuck befrackten Herren auf der Bühne in keiner Minute des rund einstündigen Programms irgendwie aufgesetzt wirkte. Sie hatten ihren Spaß an dem, was sie taten, und dieser Spaß teilte sich unmittelbar mit. Egal, ob sie sich zu dritt an einer(!) Bluegrass-Gitarre – Klindtwort gibt hier den Johnny Cash – versuchten oder zu zweit nach guter alter Pingpongart einen Rundlauf um ein klappriges Vibraphon starteten. Erstaunlich, dass diese Hetzjagd auch noch Musik abwarf; in der Begleitung Klindtworts gaben die zwei Duellanten Scott Joplins „Entertainer“ zum Besten.
Ein bisschen böse darf es natürlich auch gerne sein; so gab es beispielsweise eine gesalzen zynische Version von Nicoles „Ein bisschen Frieden“ – Behrend ergötzte sich hier an wilden Mordfantasien – oder eine freche Parodie (Bollert) auf Herbert Grönemeyer, beziehungsweise, Udo Lindenberg. Das war gut gemacht und hatte Pfiff.
An ihrer Darbietung des Cup Songs haben die drei gearbeitet, die Becher liefen nun, anders als noch im Herbst, flott und zielsicher durch die Hände, egal, ob sie nun geschoben, gezogen oder geworfen wurden. Und, ganz klar, auch die Nummer mit den Melodicas war wieder im Programm. Eine Fitnessübung, bestens geeignet, nach langer Autofahrt den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen, erklärte Bollert dazu, während er vor der Bank, auf der drei Blasebälge montiert waren, zusammen mit seinen zwei Kollegen in Startaufstellung ging. Schnell noch die Blasebälge mittels Schläuchen an Melodicas gekoppelt, und schon ging’s los. Mit Kniebeugen, um sich auf den Blasebälgen niederlassen zu können. Die ersten Töne gab man sich noch entspannt, dann sorgte der Radetzky-Marsch des alten Johann Strauss für eine beachtliche Tempoverschärfung und viele Kniebeugen in kurzer Zeit. Im Auditorium gab es dafür reichlich Applaus.
Wie auch das übrige Programm bestens ankam; übrigens, bei alt und jung gleichermaßen. Die drei Herren von Bidla Buh wissen eben, wie Unterhaltung funktioniert und wie man für Kurzweil sorgt. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass am Ende des Konzerts auch das Publikum mitsingen durfte, auf plattdeutsch – ein bisschen Herausforderung sollte wohl sein. Und siehe da, „Dat du min Leevsten büst“ ist auch hier bekannt, zumindest soweit, dass die drei auf der Bühne nicht alleine singen mussten. Langanhaltender, fröhlicher Applaus.

 

Gordian Beck
www.zeitfuerkultur.de